Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Wie Schokolade noch leckerer und gesünder wird

Baku, den 28. Februar (AZERTAG). Die Kakaopflanze kränkelt, die Ernten lassen nach. Rettung soll aus der Genforschung kommen - und ganz nebenbei Schokolade noch leckerer und gesünder machen.

Wenn Johann Wolfgang Goethe reiste, dann hatte er drei Dinge dabei: ein Reisebett, einen Koffer mit Extrafach für seinen Zylinder und Schokolade. Dunkle Tafeln. Für sich selbst - und für seine Frauen: „Wenn ich deine Gunst nur habe, so ist kein Täfelchen zu klein.“ Seit es Schokolade gibt, ist sie weitestgehend unumstritten. Neun von zehn Menschen mögen sie, manche halten sich für süchtig. Doch die schlechte Nachricht für alle Schokoladensüchtigen lautet. Der Kakaobaum ist in der Krise - und nur die Genetik wird ihn noch retten können.

Ausgerechnet in einer Zeit, in welcher der Welthunger auf Schokolade steigt und steigt, lassen die Kakaoernten nach. Die Hauptlieferanten sitzen in Afrika. Ghana, Nigeria, Kamerun und die Elfenbeinküste, deren Wirtschaft ohne den Kakaobaum zusammenbrechen würde.

„Weltweit leben fünf bis sechs Millionen Bauern von ihm“, erläutern die US-Forscher Harold Schmitz und Howard-Yana Shapiro in einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe des „Scientific American“. Hinzu kämen noch weitere 40 bis 50 Millionen Arbeitsplätze, die an der Produktion der Tafeln, Pralinen, Nikoläuse und Osterhasen hängen. Die Arbeitsbedingungen sind zum Teil menschenunwürdig - doch das Elend wäre noch größer, wenn es den Kakaoanbau nicht gäbe.

Die Kakaopflanze gehört eigentlich zum Unterholz des tropischen Urwaldes, wo sie in feuchtem, aber gut drainiertem Boden steht und sich unter dem dichten Laubschatten höherer Bäume ungehemmt entfalten darf. Doch im Agrarbetrieb muss der Kakao auf vieles von dem verzichten. Oft bekommt er von oben zu viel Sonne und von unten zu viel Nässe, auch wird er ständig zurückgeschnitten, um die Ernte zu erleichtern. In der Folge gerät er unter Stress, und die Krankheitsanfälligkeit nimmt zu.

„Der Kakaobaum war schon immer extrem anfällig für Pest und Pilzinfektionen“, betonen Schmitz und Shapiro. In Südamerika wüten vor allem Pilzerkrankungen wie Schwarzfäule und Hexenbesen-Krankheit, Letztere eliminierte im Jahre 1988 fast 80 Prozent der Kakaoproduktion, sodass mehrere tausend Bauern wegen Perspektivlosigkeit in die Städte zogen. In Asien hingegen wird er vor allem von der Kakaomotte attackiert und in Afrika vom Cacao-swollen-shoot-Virus, das die jungen Triebe anschwellen und schließlich den kompletten Baum absterben lässt.

2009 ging durch diesen durch Läuse übertragenen Erreger in der Elfenbeinküste ein Drittel der Ernte verloren. Der Markt reagierte darauf mit extremen Preisanstiegen, denn die ivorische Republik liefert normalerweise 40 Prozent des weltweiten Kakaos.

Als Mittel der ersten Wahl kommen gegen diese Plagen bisher Pestizide zum Einsatz. Doch Insektengift ist in Ökozeiten nicht mehr erwünscht. Außerdem werden die Schädlinge zunehmend resistent. Forscher fokussieren daher ihren Blick auf die Genetik der Kakaopflanze. Denn dort muss ja irgendwo die biologische Erklärung für ihre extreme Infektanfälligkeit zu finden sein.

Genetische Vielfalt gegen Krankheiten: 2010 gelang unter Leitung des Lebensmittelkonzerns Mars die komplette Entschlüsselung des Kakaogenoms. Man entdeckte, dass die Pflanze in ihrer Evolution gerade mal zehn genetische Varianten hervorgebracht hat, die sich kaum voneinander unterscheiden. „Dies ermöglicht zwar den Bauern ein problemloses Kreuzen dieser Varianten“, erklären Schmitz und Shapiro. „Doch den Kampf gegen das Heer der Krankheiten kann man nur durch breite genetische Vielfalt bestehen - und die fehlt dem Kakao.“

Das Kakaogenom wurde veröffentlicht, um keine Zeit mehr im Kampf um den Schokobaum zu verlieren. „Beim Mais, Reis und Weizen ist man in der Genforschung schon viel weiter“, warnen die beiden US-Forscher, „und der Kakao muss hier unbedingt Anschluss finden, wenn er überleben soll. “Man dürfe keine Zeit mehr mit Eitelkeiten oder Patentkämpfen verlieren. Wobei beim Kakao, im Unterschied zu Reis oder Mais, nicht die Genmanipulation avisiert ist.

Es geht vielmehr darum, die Kakaozüchtung von Spekulationen und Verdachtsmomenten zu befreien und stattdessen auf eine konkrete Datenbasis zu setzen. So haben Züchter in Costa Rica bereits eine Pflanze entwickelt, die zwar resistent gegen den Hexenbesen ist, dafür aber kleinere Erträge liefert. So ein Aufrüsten einerseits und Abrüsten andererseits ist bei Lebewesen nicht ungewöhnlich, weil im Daseinskampf das Energiesparen stets eine große Rolle spielt.

 

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