Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Kampf um das Rohstoffparadies im Meer

Baku, den 17. Mai (AZERTAG). In Ostasien spitzt sich ein gefährlicher Konflikt zu. China und Vietnam streiten um winzige Inseln in einem rohstoffreichen Gebiet. Immer wieder provozieren sich die beiden kommunistischen Staaten - auch militärisch.

Wer auf chinesische Karten der Volksrepublik schaut, entdeckt in der rechten unteren Ecke eine kleine Ergänzung. Es ist das Südchinesische Meer, in dem viele kleine Punkte auszumachen sind: die Paracel- und die Spratly-Inseln. Um sie herum führen rote Striche, die fast die Strände Malaysias und der Philippinen berühren. Offiziell nennen die Chinesen die roten Striche die „strategische Grenze“ ihrer Insel Hainan. Das heißt: All diese Punkte, mögen sie noch so winzig sein, gehören zur Volksrepublik.

Einige dieser Punkte lösten den jüngsten Streit zwischen den beiden kommunistischen Regierungen Vietnams und Chinas aus. In Vietnam kam es zu antichinesischen Krawallen, mindestens ein Chinese kam ums Leben, Hunderte sollen das Land panisch verlassen haben. Als chinesische Schlepper jüngst eine Ölplattform vor die Paracel-Inseln bugsierten, heulten in Hanoi die Alarmsirenen. Die Plattform liege 130 nautische Meilen vor Vietnams Küste, also klar innerhalb der „Exklusiven Wirtschaftszone“ des Landes, erklärte die Regierung. China verletzte klar Vietnams Souveränität und internationale Gesetze.

Wer recht hat, ist nicht eindeutig. Die Paracel-Inseln - insgesamt sind es 30 - sind zwar in chinesischen Seekarten aus der Yuan-Dynastie (1271-1368) eingezeichnet, was Peking als Beweis seiner Ansprüche wertet. Doch später nahmen die Vietnamesen sie in ihren Besitz, dann waren es die Franzosen, die sie als Teil ihrer Kolonie Vietnam vereinnahmten. Sogar die Deutschen waren 1883 da. Sie wollten das Areal, aus welchen Gründen auch immer, vermessen, zogen sich von dort aber nach Protest aus Peking zurück.

Kommunisten gegen Kommunisten - Zwei Jahre nach ihrer Machtübernahme 1949 erklärten Chinas Kommunisten die Inseln zu ihrem Hoheitsgebiet. Das geschehe völlig zu Unrecht, erklärten Vietnams Kommunisten. China habe zuvor nie die Herrschaft über die Inseln ausgeübt. Aber sie, die Vietnamesen, hätten die Paracel-Inseln seit dem 17. Jahrhundert regiert. Dokumente würden dies beweisen.

Zwei chinesische Zerstörer kreuzen nun in der Gegend, um Chinas Anspruch notfalls mit Gewalt zu demonstrieren. Schon in der Vergangenheit hatten die Kanonen gesprochen, etwa als sich China auf einigen Inseln festsetzte. 1974 kamen bei einem Feuergefecht 18 vietnamesische Matrosen ums Leben. Immer wieder setzten Vietnamesen und Chinesen Fischer des jeweils anderen Landes fest, weil diese ihre Netze angeblich in fremden Gründen ausgeworfen hatten. 2011 forderte Peking dann die von Vietnam beauftragen Unternehmen BP und Exxon Mobile auf, ihre Ölsuche in den von China reklamierten Gewässern einzustellen.

Die größte Insel, Woody-Island, umfasst 2,1 Quadratkilometer. 1971 bauten chinesische Soldaten hier einen Hafen, später kam ein Flughafen hinzu, auf dem Kampfflieger landen können. Im Juli 2012 richtete die chinesische Regierung auf der Yingxing-Insel (16 Stunden Bootstour von Hainan entfernt) die Verwaltungseinheit Sansha ein - mit Poststation, zwei Polizeiautos, einer Schule und einer Filiale der Nationalbibliothek, ausgestattet mit über 20.000 Bänden. Das Büro verwalte die Paracel-, und Spratly-Inseln, erklärte Peking. Vietnam und die Philippinen protestierten - konnten aber nichts ausrichteten.

Sechs Staaten im Streit - Komplizierter noch ist die Lage bei den Spratlys - insgesamt rund 150 Felsen, Atolle und Riffe, von denen gerade mal fünf Quadratkilometer aus dem Wasser ragen: China, Vietnam, Taiwan, Malaysia, Brunei und die Philippinen beanspruchen sie. Die jeweils einem Land am nächsten gelegene Insel ist von den Philippinen 190 Kilometer, von der vietnamesischen Küste 475, von Malaysia rund 300 und von der südlichsten Provinz Chinas, der Insel Hainan, gar mehr als 1000 Kilometer entfernt.

Erst jüngst beschwerte sich die philippinische Regierung in Peking, dass die Chinesen auf dem Johnson-South-Riff, das die Philippinen beanspruchen, damit begonnen hätten, eine Landebahn zu errichten. Chinas Außenministerium wies den Protest zurück: Johnson South gehöre eindeutig zur Volksrepublik.

Der Inselkonflikt hat schwerwiegende Gründe. Es geht um verletzte nationale Gefühle, um Sicherheit von Schifffahrtstraßen - und um viel Geld. Wer die Paracel- und Spratly-Inseln beherrscht, kontrolliert die wichtige Passage zwischen westlichem Pazifik und Indischem Ozean. Für die US-Flotte ist die Route wichtig, aber auch für Handelsschiffe, die jeden Tag mit großen Mengen an Gütern und Rohstoffen das Gebiet durchfahren.

Zudem sind dort die Fischgründe reich, Millionen Menschen in den Anrainerstaaten auf die Fänge angewiesen. Das Wichtigste aber. In der Region werden nach chinesischen Angaben rund 25 Milliarden Kubikmeter Gas und, je nach Berechnung, 28 bis 105 Milliarden Barrel Öl vermutet. Zum Vergleich: Bislang wurden auf der Erde und auf den Meeren rund 650 Milliarden Barrel gefördert. 370.000 Tonnen Phosphor könnten überdies abgebaut werden. Ein wenig nördlich der Spratlys vermuten Geologen weitere zwölf Milliarden Tonnen Öl.

Eine Lösung des Streits ist nicht in Sicht: Peking weigert sich bislang, den Fall vom Internationalen Gerichtshof klären zu lassen. Denn was nicht verhandelbar ist, argumentieren die Chinesen, braucht auch keinen Richter.

 

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